Die Geschichte der oberschwäbischen Fasnet

Es gibt viele verschiedene Arten und Ausprägungen der Narretei, die sich von Region zu Region unterscheiden und sich je nachdem Karneval, Fasnacht oder Fasching nennen.

In Oberschwaben wird jährlich zwischen Dreikönig und Aschermittwoch Fasnet gefeiert. 

Die Ursprünge der Fasnet hängen mit der katholischen Kirche zusammen. Im katholisch geprägten Oberschwaben hatten religiöse Bräuche damals noch einen viel stärkeren Einfluss auf die Menschen als heute. Somit waren die Regeln der Fastenzeit verbindlich einzuhalten. Bereits im 13. Jahrhundert fanden in der Zeit vor dem Aschermittwoch allerorts Feste statt die dazu dienten, verderbliche Lebensmittel vor Beginn der Fastenzeit aufzubrauchen. Diese Feste unterscheiden sich jedoch stark von der heutigen Fasnet.

Erste urkundliche Erwähnung findet die oberschwäbische Fasnet im 15. Jahrhundert. Damals gab es keine vereinsmäßig organisierten Fasnetsgruppen. Vielmehr machten lockere Gruppen, meist männlicher Jugendlicher, die Straßen unsicher. Vor 40 Tagen Enthaltsamkeit wollte man es nochmal so richtig krachen lassen. Sicher ist auch, dass in der Fastnacht häufig Kritik an Obrigkeit und Kirche geübt wurde, was nicht selten zu Fastnachtsverboten führte.

Um 1800 stand die Fasnet dann beinahe vor dem Aus. Ein allgemeingültiges Fasnetsverbot aus Stuttgart machte den Narren das Leben schwer: „…für die Zukunft alle Vermummungen auf Straßen und an öffentlichen Orten allgemein verboten ..."

Die Fasnet existierte halblebig weiter und kam bald in den Verruf eines alten, verstaubten Brauches. Parallel dazu entwickelte sich ab 1820 in Köln vom Bildungsbürgertum ausgehend der Karneval. So machte sich auch bald ein karnevalistischer Einfluss in Oberschwaben breit. Die alte Straßenfasnet wurde durch Karnevalsbälle ersetzt. Um 1900 regte sich Widerstand. Die Handwerker und einfachen Leute besinnten sich auf die Wurzeln ihrer Fasnet und holten die alten Häser wieder heraus. Übriggeblieben aus dieser karnevalistischen Zeit sind die Fasnetsbälle und die Fasnetseröffnung mancher oberschwäbischer Zünfte am 11.11.

Der wieder auferstandenen Fasnet stand eine neue Krise bevor. In den schweren Zeiten der beiden Weltkriege und der Wirtschaftskrise kam keine wirkliche Fasnetsstimmung auf. Außerdem machten erneute Fasnetsverbote das Leben der Narren schwer.

1924 wurde deshalb die Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (VSAN) gegründet. Nun wollte man die Interessen der Narren gegenüber der Politik offensiv vertreten. Außerdem sah man sich der Pflege und Bewahrung des eigenen Brauchtums verpflichtet, was heute sicherlich die Hauptaufgabe der Vereinigung darstellt. 

In den Jahren des Wideraufbaus rafften sich die Narren wieder auf, gründeten neue Zünfte und entwickelten neue Häser.  In den 70er Jahren begann ein wahrer Fasnetsboom, der bis heute anhält. Fast jedes kleine Örtchen hat inzwischen seine eigene Zunft. Nach Gründen für diesen Fasnetsboom sucht man vergebens. Es macht halt einfach Spaß, einmal im Jahr ein Narr zu sein.